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Schifffahrt und Logistik

Value Based Selling in der Seefracht: verkaufen jenseits der Rate

Von Nicolas Krohn · · 9 Min. Lesezeit

Value Based Selling in der Seefracht klingt für viele Verkäufer nach Theorie. Der Container gilt als Standardprodukt, und der Einkäufer eröffnet das Gespräch mit dem Satz: „Ihr Wettbewerb ist günstiger.“ Wer darauf nur mit einem Nachlass antworten kann, hat das Gespräch schon vorher verloren.

Dieser Beitrag zeigt, welche Werttreiber jenseits der Rate für Verlader und Spediteure zählen und wie Sie sie in die Sprache des Kunden übersetzen: in seine Kosten, seine Risiken und seinen Nutzen. Sie erhalten Fragen, Formulierungen, einen Ablauf zur Vorbereitung und ein durchgespieltes Beispiel.

Das Wichtigste in Kürze

Was ist Value Based Selling in der Seefracht?

Value Based Selling, auf Deutsch wertorientiertes Verkaufen, stellt nicht den Preis der Leistung in den Mittelpunkt, sondern ihre Wirkung beim Kunden. In der Seefracht heißt das: Sie verkaufen keinen Containerstellplatz von Hafen zu Hafen. Sie verkaufen, dass die Ware des Kunden planbar ankommt, dass seine Produktion läuft und dass seine Disposition weniger Feuer löschen muss.

Das setzt voraus, dass Sie die Lieferkette des Kunden verstehen. Was passiert bei ihm, wenn ein Container eine Woche später kommt? Wer im Unternehmen spürt das? Was kostet es? Die Grundlagen finden Sie im Beitrag Value Based Selling einführen.

Warum das Gespräch so oft bei der Rate endet

Dafür gibt es drei Gründe. Erstens ist die Rate vergleichbar, alles andere ist es auf den ersten Blick nicht. Zweitens sitzt im Gespräch häufig der Einkauf, der an Einsparungen gemessen wird, und nicht die Logistikleitung, die mit den Folgen lebt. Drittens gehen viele Verkäufer ohne Daten in den Termin. Wer nicht weiß, wie pünktlich die eigenen Abfahrten für diesen Kunden waren, kann über Verlässlichkeit nur behaupten, nicht belegen.

Sechs Werttreiber jenseits der Rate

Wie übersetzen Sie Werttreiber in Kosten und Nutzen des Kunden?

Ein Werttreiber ist zunächst nur eine Eigenschaft Ihrer Leistung. Zum Argument wird er, wenn der Kunde erkennt, was er ihn kostet oder ihm bringt.

Wichtig: Sie liefern die Logik, der Kunde liefert die Zahlen. Nennen Sie keine erfundenen Einsparungen. Fragen Sie nach seinen Werten und rechnen Sie gemeinsam. Wie das sauber geht, beschreibt der Beitrag Kundennutzen berechnen.

Welche Fragen machen den Wert im Kundengespräch sichtbar?

Bewährt hat sich die Reihenfolge nach SPIN: Situation, Problem, Implication (Auswirkung) und Need-Payoff (Nutzen). Übertragen auf die Seefracht:

Die Auswirkungsfrage ist die wichtigste und die, die am häufigsten ausgelassen wird. Mehr dazu im Beitrag SPIN Selling erklärt.

Value Based Selling in der Seefracht vorbereiten: Schritt für Schritt

  1. Kunden auswählen: Beginnen Sie mit Kunden, bei denen Lieferfähigkeit erkennbar zählt: Industrie mit getakteter Fertigung, Handel mit Saisonware, temperaturgeführte Güter.
  2. Eigene Leistung belegen: Stellen Sie zusammen, wie Ihre Abfahrten, Transitzeiten und Reklamationen für genau diesen Kunden in den letzten Monaten aussahen.
  3. Lieferkette des Kunden skizzieren: Woher kommt die Ware, wohin geht sie, wer hängt davon ab? Öffentliche Quellen und Ihre Gesprächsnotizen reichen für eine erste Skizze.
  4. Hypothese bilden: Formulieren Sie in einem Satz, welcher Werttreiber für diesen Kunden vermutlich am meisten zählt und warum.
  5. Fragen vorbereiten: Schreiben Sie je eine Frage zu Situation, Problem, Auswirkung und Nutzen auf.
  6. Gemeinsam rechnen: Lassen Sie den Kunden seine Werte nennen und halten Sie die Rechnung schriftlich fest.
  7. Angebot am Wert ausrichten: Stellen Sie im Angebot die Gesamtkosten von Tür zu Tür und die vereinbarten Leistungen voran, die Rate folgt danach.

Praxisbeispiel: der Maschinenbauer und die günstigere Rate

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Eine Key Account Managerin betreut einen Maschinenbauer, der Komponenten aus Ostasien bezieht und Ersatzteile nach Nordamerika verschifft. Der Einkäufer legt ein Vergleichsangebot vor und verlangt eine niedrigere Rate. Die Verkäuferin gibt nicht nach und widerspricht auch nicht. Sie fragt, ob die Logistikleiterin am nächsten Termin teilnehmen kann.

Im Gespräch stellt sie zuerst Fragen. Es zeigt sich, dass der Kunde wegen schwankender Ankünfte einen deutlichen Sicherheitsbestand hält und im vergangenen Halbjahr mehrfach Teile per Luftfracht nachgeholt hat. Die Logistikleiterin nennt selbst, was eine solche Sendung kostet und wie viele Tage Bestand der Puffer bindet. Die Verkäuferin legt daneben, wie die Abfahrten für diesen Kunden zuletzt gelaufen sind und welche Bahnverbindung den Nachlauf zum Werk verkürzen würde. Am Ende steht keine niedrigere Rate, sondern ein Kontrakt mit Stellplatzzusage, festem Ansprechpartner und einem vereinbarten Ablauf für Verspätungsmeldungen. Der Einkäufer hat eine Rechnung, die er intern vertreten kann.

Spediteur und Direktkunde: Der Wert sieht unterschiedlich aus

Der Direktkunde, also der Verlader, der selbst bei der Reederei bucht, rechnet in Bestand, Fertigung und Lieferfähigkeit. Der Spediteur rechnet anders. Sein Wert liegt in der Marge, in verlässlichem Platz für seine Kunden und in wenig Aufwand je Sendung. Fragen Sie ihn deshalb nicht nach seinem Lager, sondern nach seinen Kunden.

Hinter jedem Spediteur steht der Kunde des Kunden, der Named Account (NAC). Wenn Sie verstehen, was der NAC braucht, können Sie dem Spediteur helfen, sein eigenes Angebot zu stärken. Eine passende Frage lautet: „Bei welchen Ihrer Kunden verlieren Sie Geschäft, weil Platz oder Laufzeit nicht planbar sind?“ Wie Sie diese Sicht aufbauen, zeigt der Beitrag Named Accounts (NAC) entwickeln.

Was antworten Sie, wenn der Kunde trotzdem nur die Rate nennt?

Der Preiseinwand kommt, auch nach dem besten Gespräch. Antworten Sie nicht mit einem Nachlass und nicht mit einem Vortrag, sondern mit einer Frage. Zwei Formulierungen:

Sprechen Sie dabei über Ihre eigene Leistung und über die Kosten des Kunden. Aussagen über Preise oder Bedingungen anderer Anbieter gehören nicht in Ihre Argumentation, und ein Austausch darüber mit Wettbewerbern ist tabu. Im Zweifel klärt Ihre Rechtsabteilung die Grenzen. Weitere Techniken finden Sie im Beitrag Preisverhandlung mit Fragen statt Rabatt.

Was die KI übernimmt und was beim Menschen bleibt

Die KI übernimmt die Vorbereitung:

Beim Menschen bleibt:

Agenten bereiten vor, Menschen geben frei. Wie die Vorbereitung im Einzelnen aussieht, lesen Sie im Beitrag Value Based Selling und KI. Die gewonnene Zeit dient nicht dem Stellenabbau. Sie fließt in Kundengespräche und in das Training.

Welche Fehler Sie beim wertorientierten Verkaufen vermeiden sollten

Checkliste vor dem nächsten Kundengespräch

Wenn Sie wissen wollen, wie viel Zeit Ihrem Team heute für diese Vorbereitung bleibt, hilft der Vertriebs-Zeitcheck.

Häufige Fragen

Funktioniert Value Based Selling bei einem Standardprodukt wie Containertransport? Ja, weil nicht der Container den Unterschied macht, sondern das, was um ihn herum geschieht. Verlässlichkeit, Stellplatz, Hinterland und Erreichbarkeit unterscheiden sich zwischen Anbietern spürbar. Der Kunde muss diesen Unterschied aber in seinen eigenen Kosten wiederfinden.

Wie verkaufe ich Seefracht, wenn der Kunde nur auf den Preis schaut? Fragen Sie nach den Folgen von Verspätung und fehlendem Platz und sprechen Sie mit den Personen, die diese Folgen tragen. Manche Kunden kaufen tatsächlich nur nach Preis. Dann teilen Sie Ihre Zeit anders ein.

Welche Werttreiber sind für Spediteure am wichtigsten? Meist sind es verlässlicher Stellplatz, schnelle Auskunft und wenig Aufwand je Buchung. Dazu kommt, was der Kunde des Spediteurs verlangt. Fragen Sie deshalb gezielt nach den Anforderungen der NAC.

Wie lange dauert es, ein Vertriebsteam auf wertorientiertes Verkaufen umzustellen? Die Methode ist schnell erklärt, die Gewohnheit braucht Monate. Rechnen Sie mit regelmäßigem Training, Rollenspielen und Begleitung in echten Terminen.

Fazit

Value Based Selling in der Seefracht heißt nicht, die Rate zu verschweigen. Es heißt, sie neben die Kosten zu stellen, die der Kunde durch Verspätung, fehlenden Platz, teuren Nachlauf und eigenen Aufwand trägt. Die sechs Werttreiber Verlässlichkeit, Transitzeit, Stellplatzzusage, Hinterlandanbindung, Transparenz und Ansprechbarkeit geben Ihnen dafür die Struktur. Die Zahlen kommen vom Kunden, die Fragen von Ihnen. KI nimmt Ihrem Team die Vorbereitung ab, das Gespräch führt ein Mensch. Ihr nächster Schritt: Wählen Sie einen Kunden, bei dem zuletzt nur über die Rate gesprochen wurde, und bereiten Sie für den nächsten Termin eine einzige Auswirkungsfrage vor.

Erstgespräch · 30 Minuten · kostenfrei

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Im kostenfreien Erstgespräch von 30 Minuten nehmen wir einen Ihrer Kunden als Beispiel. Danach haben Sie eine erste Übersicht seiner Werttreiber und die Fragen, mit denen Ihr Team das nächste Gespräch eröffnet.

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