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Praxis

E-Mail mit KI schreiben: Vertriebstexte, die nicht nach KI klingen

Von · · 8 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Wer eine E-Mail mit KI schreiben lässt, erhält einen persönlichen Text, wenn der Auftrag Anlass, Empfänger, Kernaussage und nächsten Schritt nennt und eigene E-Mails als Muster für den Ton dienen. Die KI liefert den Entwurf. Fakten, den Bezug zum Gespräch und den Ton prüft der Verkäufer vor dem Versand selbst.

Inhalt11 Abschnitte
  1. 01Woran man eine KI-E-Mail erkennt
  2. 02Der Auftrag entscheidet über das Ergebnis
  3. 03So schreiben Sie eine E-Mail mit KI im eigenen Ton
  4. 04Was Sie vor dem Versand einer E-Mail prüfen
  5. 05Wo KI bei E-Mails Zeit spart und wo nicht
  6. 06Wie schreibt man eine gute Betreffzeile für Vertriebs-E-Mails?
  7. 07Formulierungen: Floskeln ersetzen, die nach KI klingen
  8. 08Typische Fehler beim Schreiben von Vertriebs-E-Mails mit KI
  9. 09Wie messen Sie, ob Ihre E-Mails mit KI besser werden?
  10. 10Häufige Fragen
  11. 11Fazit

Vertriebs-E-Mails mit KI zu schreiben spart Zeit, und trotzdem landen viele dieser Texte ungelesen im Papierkorb. Der Grund ist selten die Technik. Die E-Mail klingt glatt, lang und austauschbar, und der Empfänger merkt das nach dem ersten Satz. Wer das ändern will, setzt beim Auftrag an, den die KI bekommt.

Woran man eine KI-E-Mail erkennt

  • Sie beginnt mit einer Höflichkeitsformel ohne Inhalt, etwa „Ich hoffe, es geht Ihnen gut“.
  • Sie lobt das Unternehmen des Empfängers in allgemeinen Worten.
  • Sie reiht drei Vorteile auf, die zu jedem Anbieter passen würden.
  • Sie ist doppelt so lang, wie der Anlass verlangt.
  • Sie endet mit einer unverbindlichen Bitte um Rückmeldung.

Keiner dieser Punkte ist ein Fehler der Maschine. Die KI füllt Lücken mit dem, was üblich ist. Wer ihr nichts Konkretes gibt, bekommt Durchschnitt.

Der Auftrag entscheidet über das Ergebnis

Eine gute E-Mail braucht vier Angaben, bevor ein Wort geschrieben wird:

  • Anlass: Warum schreiben Sie gerade jetzt?
  • Empfänger: Welche Rolle hat die Person, und was beschäftigt sie?
  • Kern: Was ist die eine Aussage, die hängen bleiben soll?
  • Nächster Schritt: Was genau soll der Empfänger tun?

Ein Beispiel für einen Auftrag: „Schreibe eine E-Mail an die Einkaufsleiterin eines Maschinenbauers. Anlass: unser Gespräch am Dienstag. Sie nannte lange Lieferzeiten bei Ersatzteilen als Problem. Kern: Wir schlagen einen Termin mit ihrem Serviceleiter vor. Höchstens sechs Sätze, sachlich, keine Floskeln, keine Aufzählung.“ Mehr KI-Prompt-Vorlagen dieser Art finden Sie im Beitrag über Prompts für den Vertrieb.

So schreiben Sie eine E-Mail mit KI im eigenen Ton

Jeder Verkäufer hat eine Handschrift. Die KI trifft sie, wenn Sie ihr Beispiele zeigen. Geben Sie zwei oder drei eigene E-Mails als Muster mit, die gut angekommen sind, und entfernen Sie vorher Namen und vertrauliche Angaben. Ergänzen Sie Regeln: Satzlänge, Anrede, Grußformel, Wörter, die Sie nie verwenden. Eine Faustregel für die Länge: Die E-Mail passt auf den Bildschirm eines Telefons, ohne dass der Empfänger scrollen muss.

Hilfreich ist auch ein zweiter Durchgang. Bitten Sie die KI: „Kürze den Text um ein Drittel und streiche jeden Satz, der auch in einer E-Mail an einen anderen Kunden stehen könnte.“ Was übrig bleibt, ist meist der Teil, den der Kunde lesen will.

Was Sie vor dem Versand einer E-Mail prüfen

Für den Inhalt stehen Sie ein, auch wenn der Entwurf von der KI stammt. Drei Prüfungen gehören zu jeder E-Mail:

  • Fakten: Stimmen Namen, Termine, Zahlen und Zusagen? KI ergänzt gelegentlich Angaben, die plausibel klingen und falsch sind.
  • Bezug: Enthält die E-Mail mindestens einen Satz, den nur Sie schreiben konnten, weil Sie im Gespräch waren?
  • Ton: Würden Sie den Text so am Telefon sagen?

Achten Sie außerdem darauf, welche Daten Sie in ein Werkzeug eingeben. Die Grundregeln dazu stehen im Beitrag über Kundendaten und KI. Ob und wie KI-gestützte Texte zu kennzeichnen sind, klären Sie mit Ihrer Rechtsabteilung. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.

Wo KI bei E-Mails Zeit spart und wo nicht

Gut geeignet sind wiederkehrende Anlässe: Terminbestätigung, Follow-up-E-Mail nach dem Gespräch, Nachfassen bei offenen Angeboten, Antworten auf Standardfragen. Hier spart der Entwurf Minuten je E-Mail, die sich über die Woche summieren. Wie viel das in Ihrem Team ausmacht, zeigt der Zeitgewinn-Rechner.

Weniger geeignet sind heikle Nachrichten: eine Reklamation, eine Preiserhöhung, eine Absage. Hier dürfen Sie sich einen Entwurf geben lassen, schreiben die endgültige Fassung aber selbst. Oft ist ein Anruf die bessere Wahl.

Wie schreibt man eine gute Betreffzeile für Vertriebs-E-Mails?

Eine gute Betreffzeile nennt den Anlass und sagt dem Empfänger, was von ihm erwartet wird. Sie ist der Teil der E-Mail, der über das Öffnen entscheidet, und zugleich der Teil, den KI am häufigsten verfehlt. Ohne Vorgabe entstehen Betreffzeilen wie aus einem Werbebrief. Diese Regeln helfen:

  • Anlass vor Angebot: „Unser Gespräch am Dienstag: Terminvorschlag mit Ihrem Serviceleiter“ sagt mehr als „Ihre Vorteile im Überblick“.
  • Wörter des Kunden: Nutzen Sie den Begriff, den der Kunde selbst verwendet hat, nicht Ihren Produktnamen.
  • Keine Dringlichkeit ohne Grund: „Wichtig“ oder „Letzte Chance“ wirken wie Massenversand.
  • Kurz genug für das Telefon: Die entscheidenden Wörter stehen vorn, weil der Rest abgeschnitten wird.
  • Ehrlich bei Antworten: Ein „AW:“ gehört nur in den Betreff, wenn es sich um eine Antwort handelt.

Lassen Sie sich von der KI fünf Varianten geben und wählen Sie selbst. Der Auftrag dazu: „Schreibe fünf Betreffzeilen für diese E-Mail. Jede nennt den Anlass, keine enthält ein Werbeversprechen, keine ist länger als acht Wörter.“ Die Auswahl dauert Sekunden und lohnt sich, denn die beste Zeile ist selten die erste.

Formulierungen: Floskeln ersetzen, die nach KI klingen

Die Liste der Erkennungsmerkmale hilft beim Prüfen. Beim Schreiben hilft der direkte Vergleich. Die Tabelle zeigt übliche Floskeln und was an ihrer Stelle stehen kann. Die Beispiele sind erdacht, übertragen Sie sie auf Ihren Fall.

FloskelBesser
„Ich hoffe, es geht Ihnen gut.“„Sie hatten am Dienstag nach den Lieferzeiten gefragt.“
„Wir bieten maßgeschneiderte Lösungen.“„Für Ihre Ersatzteile schlagen wir zwei Wege vor.“
„Gerne stehe ich für Rückfragen zur Verfügung.“„Passt Ihnen Donnerstag um zehn Uhr für ein kurzes Telefonat?“
„Ich wollte kurz nachfassen.“„Die offene Frage zur Lagerung ist geklärt. Die Antwort finden Sie unten.“
„Zusammenfassend lässt sich sagen …“Satz streichen

Aus der rechten Spalte wird eine Regel für den Auftrag: Jeder Satz enthält eine Angabe, die nur für diesen Kunden gilt, oder er entfällt. Führen Sie zusätzlich eine kurze Liste mit Wörtern, die in Ihren E-Mails nicht vorkommen sollen, und geben Sie sie bei jedem Auftrag mit. So müssen Sie dieselbe Floskel nicht jede Woche neu streichen.

Typische Fehler beim Schreiben von Vertriebs-E-Mails mit KI

Auch mit gutem Auftrag gehen E-Mails daneben. Diese Fehler entstehen im Ablauf:

  • Der ganze Verlauf wird ungeprüft eingefügt. In langen E-Mail-Ketten stehen Angaben Dritter und interne Bemerkungen. Geben Sie nur weiter, was für die Antwort nötig ist.
  • Platzhalter bleiben stehen. Eckige Klammern mit „Name“ oder „Datum“ im versandten Text sind der sichtbarste Beweis für fehlende Prüfung. Suchen Sie vor dem Versand gezielt danach.
  • Derselbe Text geht an viele Empfänger. Ein Serienbrief bleibt ein Serienbrief, auch wenn KI ihn geschrieben hat.
  • Die Anrede wechselt. Wer einen Kunden seit Jahren duzt, sollte nicht plötzlich siezen. Nennen Sie die Anrede im Auftrag.
  • Zusagen entstehen im Entwurf. KI formuliert gern entgegenkommend und verspricht Termine oder Leistungen, die niemand zugesagt hat.
  • Die Antwort passt nicht zur Frage. Der Kunde stellt eine Frage und erhält drei Absätze. Die Antwort gehört in den ersten Satz.

Für die Kaltakquise per E-Mail, also die erste Nachricht an einen unbekannten Empfänger, gelten zusätzliche Anforderungen, auch rechtliche. Klären Sie diese mit Ihrer Rechtsabteilung. Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung. Die inhaltliche Vorbereitung beschreibt der Beitrag Kaltakquise mit KI vorbereiten.

Wie messen Sie, ob Ihre E-Mails mit KI besser werden?

Sie messen es an Antworten und an der Zeit je E-Mail. Mehr versandte Nachrichten sind kein Ziel. Drei Werte lassen sich ohne zusätzliche Software festhalten:

  • Antwortquote je Anlass: Auf wie viele Nachfass-E-Mails kam eine Antwort? Zählen Sie vier Wochen von Hand und getrennt nach Anlass.
  • Zeit je E-Mail: Stoppen Sie bei zehn E-Mails die Zeit vom Öffnen bis zum Versand, mit und ohne Entwurf.
  • Änderungen am Entwurf: Wenn Sie regelmäßig mehr als die Hälfte umschreiben, ist der Auftrag zu dünn.

Ein Rechenbeispiel mit Annahmen: Eine Person schreibt am Tag zehn wiederkehrende E-Mails. Der Entwurf spart je E-Mail drei Minuten. Das sind 30 Minuten am Tag und bei fünf Arbeitstagen 2,5 Stunden in der Woche. In einem Team mit acht Personen ergibt das 20 Stunden je Woche. Ihre Werte können deutlich abweichen. Messen Sie deshalb selbst.

Die Antwortquote zeigt, ob die Qualität gehalten hat. Sinkt sie, während die Zeit je E-Mail fällt, sparen Sie an der falschen Stelle. Besonders deutlich wird das bei der Nachricht nach dem Kundentermin. Was dort hineingehört, steht im Beitrag zum Follow-up im Vertrieb.

Häufige Fragen

Merken Kunden, dass eine E-Mail mit KI entstanden ist?

Sie merken es an allgemeinen Formulierungen und fehlendem Bezug, nicht am Werkzeug. Eine kurze E-Mail mit einem konkreten Anlass und einem eindeutigen nächsten Schritt wirkt persönlich, egal wie der Entwurf entstanden ist.

Sollte das Team gemeinsame Vorlagen nutzen?

Ja, für die wiederkehrenden Anlässe. Legen Sie eine kleine Sammlung geprüfter Aufträge an und überarbeiten Sie sie regelmäßig. Den persönlichen Satz ergänzt jeder selbst.

Welches KI-Werkzeug eignet sich für Vertriebs-E-Mails?

Das Werkzeug, das Ihr Unternehmen freigegeben hat. Für gute Entwürfe ist der Auftrag wichtiger als das Produkt. Achten Sie bei der Auswahl auf drei Dinge: Wo werden die eingegebenen Daten verarbeitet, lassen sich eigene Vorlagen für das Team speichern, und arbeitet das Werkzeug dort, wo Ihr Team ohnehin E-Mails schreibt?

Muss ich Kunden sagen, dass eine E-Mail mit KI geschrieben wurde?

Das hängt vom Einzelfall ab und sollte mit Ihrer Rechtsabteilung geklärt werden. Dies ist keine Rechtsberatung. Praktisch gilt: Wer den Entwurf prüft, anpasst und unter eigenem Namen versendet, übernimmt die Verantwortung für den Inhalt. Einen Überblick über die Fragen dazu gibt der Beitrag zur KI-Kennzeichnung in der Kundenkommunikation.

Kann KI Vertriebs-E-Mails in anderen Sprachen schreiben?

Ja, und oft in guter Qualität. Prüfen Sie trotzdem Fachbegriffe, Anrede und Höflichkeitsform, denn sie unterscheiden sich je Land und Branche. Bei wichtigen Nachrichten liest eine Person gegen, die die Sprache sicher beherrscht. Schreiben Sie den Auftrag in Ihrer eigenen Sprache und nennen Sie Zielsprache, Land und gewünschte Anrede ausdrücklich.

Kann KI eingehende Kunden-E-Mails automatisch beantworten?

Technisch ja, empfehlenswert ist es für den Vertrieb nicht. Sinnvoll ist ein Antwortentwurf im Postfach des zuständigen Verkäufers. Für reine Standardauskünfte können Sie Ausnahmen festlegen. Sobald Preise, Termine oder Zusagen im Text stehen, schreibt der Verkäufer die Antwort selbst zu Ende. So bleibt erkennbar, wer für die Aussage gegenüber dem Kunden einsteht.

Fazit

Eine E-Mail klingt nach KI, wenn der Auftrag leer war. Geben Sie Anlass, Empfänger, Kern und nächsten Schritt vor, zeigen Sie Ihren Ton an Beispielen und prüfen Sie jede Angabe vor dem Versand. Nehmen Sie sich diese Woche die drei E-Mail-Anlässe vor, die in Ihrem Team am häufigsten vorkommen, und schreiben Sie für jeden einen Auftrag mit den vier Angaben.

Mehr zum Thema: alle Beiträge zu KI im Vertrieb im Überblick →

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